Ein Projekt von Harry Harper / Tierrechtsrock  und
dem Arbeitskreis Tierrechte & Ethik - A.K.T.E.

Kolumne von Bernhardt Eck
´Die Wut wächst ...´

„Fraßkultur“                                 Frass´kultur´


 
Der Rockmusiker Harry Harper und Stefan Bernhard Eck, der Leiter von A.K.T.E. schreiben mit der CD „Fraßkultur“ ein neues Kapitel im deutschsprachigen Protest-Song-Bereich. „Tierrechtsrock“ - veganer, rockiger Sound in den unterschiedlichsten Stilrichtungen - sarkastische, provokative und selbstkritische Texte, die unter die Haut gehen.
 
„Fraßkultur“ ist ein wütender Rundumschlag, der sich in erster Linie an Tierfreunde, Tierschützer und Tierrechtler wendet. Die bekannten „Bedenklichkeiten“ innerhalb der TR/TS-Szene werden mit viel Ironie ins Visier genommen. Aber auch mit unserer Gesellschaft, unserer Politik, mit der Religion und der Philosophie wird gnadenlos abgerechnet. Ein Aufruf zum Widerstand gegen die „Fraßkultur“ und eine schallende Ohrfeige für alle Pseudo-Tierfreunde. Hier wird nichts beschönigt, nichts wird unter den Tisch gekehrt. Eine „Kult-CD“ für Tierrechtler/innen, geeignet als musikalische Untermalung für Info-Stände und TR-Demos. Auch geeignet als provokatives Geschenk für die Profiteure der „Fraßkultur“.
 
Der Preis für die CD beträgt 10,-- Euro plus Versand. Die Reinerlöse werden ausschließlich zur Förderung der Tierrechte verwendet.
 
Bestellmöglichkeit: eisvoegel @ t-online.de   /  eck @ tierrechteportal.de
 


Die Wut wächst

Lieber Forenleser/innen,

die Wut wächst. Nicht nur bei meinem Landsmann Oskar Lafontaine. Auch in mir breitet sich - bedingt durch die anhaltende Uneinsichtigkeit der Tierausbeuter - eine nagende Wut aus.

Der Stein des Anstoßes für unsere Wut ist die soziale Ungerechtigkeit. Es besteht jedoch bei genauerer Betrachtung ein gravierender Unterschied. Wir interpretieren den Begriff „sozial“ bedauerlicherweise verschieden: er anthropozentrisch, ich universal.

Mit anderen Worten: Die soziale Sichtweise des saarländischen Polit-Promis endet an seinem ausgeprägten und dekorativen Riechorgan, ist also dementsprechend auf den Menschen und dessen Wohlergehen gerichtet. Sein Herz schlägt „links“ - eine sehr vernünftige politische Richtung, Aber vor allem schlägt es für den Menschen, und das ist aus meiner Sicht eine unakzeptable, weil willkürliche und unsoziale Ausgrenzung der schwächeren Glieder unserer planetarischen Lebensgemeinschaft. Eine zukunftsorientierte und verantwortungsvolle „soziale“ Sichtweise muss über die menschliche Gesellschaft und ihre ökonomischen und politischen Strukturen hinausgehen, denn Menschen, Tiere, Pflanzen und die gemeinsame Heimstatt Erde bilden ein ökologisches Ganzes, und jedes einzelne Glied verdient eine „soziale“ Behandlung.

Solidarität mit den ausgebeuteten schwächeren Gliedern einer Lebensgemeinschaft ist kategorischer Imperativ für „links schlagende Herzen“ - entstanden aus dem tiefen Verlangen nach Gerechtigkeit und einem empathischen Mitleid für die Unterdrückten. Da die Fähigkeit zur Empathie in der Regel auch die Grenzen der eigenen Art überschreitet, wäre es durchaus logisch gewesen, wenn Menschen, die sich für die Rechte der arbeitenden Klasse engagieren, sich auch für die „vierbeinigen Arbeitssklaven“ stark gemacht hätten. Der Kampfruf „Krieg den Fraßpalästen, Friede den Hundehütten!“ ist aber bedauerlicherweise ausgeblieben. Die „linke Position“ ist demnach nur unwesentlich von der Mitte entfernt; vielleicht hat sie sich auch dorthin wieder zurückbewegt. Oder sie hat sich, was die „soziale“ Berücksichtung der Tiere, der schwächsten Glieder unserer irdischen Gemeinschaft betrifft, überhaupt nicht bewegt. Aber vielleicht kommt doch noch Bewegung in die Sache - unter der Prämisse, dass die Weisheit mit zunehmendem Alter wächst. Herr Lafontaine ist ja auch nicht mehr der Jüngste.

So ist das blassrote Wetterleuchten am fernen Horizont - die „Lafontaine’sche Linksdrift“ mit eventuellem Schulterschluss zu dem ebenfalls in die Jahre gekommenen Gregor Gysi  (man munkelt, er sei recht „tierfreundlich“ auf Grund seiner innigen Beziehung zu Kühen als staatlich geprüfter Melker in DDR-Zeiten) wenigstens Grund für ein Quäntchen  Hoffnung. Eine „universal-sozialistische“ Partei (mensch- und tiergerecht) mit Lafontaine und  Gysi an der Spitze wäre doch eine echte Bereichung für das langweilige deutsche Polit-Theater, nachdem Joschka Fischer in Amt und Würden und in die Jahre gekommen ist. („Herr Bundestagspräsident, mit Verlaub, sie sind ein …“) Waren das noch Zeiten! Aber auch er ist weiser geworden, dafür aber zuweilen langweiliger. Vielleicht ist durch die Würde seines Amtes oder die Bürde der Diäten (Ernährt er sich nicht mehr vegetarisch? Er hat schon wieder zugenommen!) seine anfängliche Wut verflogen.

Meine Wut ist dagegen geblieben und gewachsen: Eine ordentliche  Portion in meinem Bauch, die sich förderlich auf das Durchhaltevermögen auswirkt  - wahrscheinlich wegen der permanenten Adrenalinschübe. Ich hätte vielleicht schon resigniert - ohne diese Wut über das Unrecht, das den Tieren Tag für Tag widerfährt. Ich stehe zu meiner Wut. Und ich setze sie prophylaktisch gegen die nicht ausbleibenden Abnutzungserscheinungen eines aktiven Tierrechtlers ein.

Und diese Wut wächst permanent - vor allem dann, wenn Tierrechtler/innen von der „organisierten Geist- und Mitleidslosigkeit“ als Tiernarren, Körnerfresser, Natur-Apostel oder als Extremisten abgekanzelt werden, nur weil sie gegen eine ultimative Ignoranz und Ungerechtigkeit ankämpfen, nur weil sie das immense Leiden von Tieren und Menschen vermindern wollen. (Konsequenter Tierschutz ist der beste Menschenschutz!)

Die häufig zu hörende Diskreditierung, Tierrechtler/innen seien irrational und übersensibel, macht mich wütend, denn die Zuordnung dieser negativen Attribute hat einen leicht durchschaubaren Grund: Unsere Kontrahenten wollen uns dadurch die Basis für eine ernsthafte politische und philosophische Diskussion entziehen. Sie tun das, weil unsere Argumente so eindeutig und stichhaltig sind, dass in einem sachlichen Diskurs die ethisch/moralische, die naturwissenschaftliche und die volkswirtschaftliche Beweiskette für unser Anliegen nicht aufzubrechen ist.

Also werden Tierrechtler/innen verunglimpft, totgeschwiegen, mundtot gemacht: auf Geheiß von ganz „Oben“ durch die professionellen Meinungsmacher. Es steht eben zuviel auf dem Spiel - nämlich der Profit!
 
Tierrechtler/innen werden als weltfremde Konsum-Aussteiger abgestempelt oder pauschal als misanthropische „Tierfreunde/innen“ oder einfach als Spinner bezeichnet. Sie werden in politischen Entscheidungsgremien schlicht übergangen. Tierrechtler/innen seien unseriöse Zeitgenossen - die Betonung liegt auf unseriös, weil unseriös als Metapher für „nicht hörig“ verwendet wird. Und wer nicht hörig ist, bleibt vor der Tür, hat kein Mitspracherecht.  Es geht ja schließlich um die Wahrung der Hierarchie und Tradition - in den Gremien und in der Natur.

Denn unangetastet soll die aristotelische Hierarchie bleiben: eine unvernünftige Natur mit dem vernünftigen Menschen an der Spitze. Die Natur ist auf den Menschen ausgerichtet. Basta! Diese Sichtweise - wenn auch schon recht verstaubt - ist nach wie vor fester Bestandteil der christlichen Dogmatik, und das will ja schon etwas heißen. Und sie ist geradezu maßgeschneidert für das Welt- und Selbstverständnis der Herrenrasse. Ebenso unangetastet bleibt in jenen Gremien auch die Tradition der „Fraßkultur“, die für ein fragwürdiges Wohl der „Masse ganz Unten“ aufrechterhalten wird. Volle Bäuche sind leichter zu lenken, gesundheitliche Spätfolgen interessieren erst an zweiter Stelle … und das Leiden der Tiere rangiert unter ferner liefen - wenn überhaupt. Und schließlich hat „Masse Mensch“ bei ihrer „Cerebralisation“ die orale Phase noch längst nicht überwunden, was entsprechend berücksichtigt wird. Man/frau begreift die Welt noch immer zuerst mit dem Mund. (Kann ich das essen? Wie schmeckt das?)

So ist es bezeichnend, dass jenen „Tierschutzverbänden“ der Titel der Seriosität verliehen wird, in deren Agenden Hierarchie und Tradition nicht grundsätzlich hinterfragt werden. Die politische Führungsriege weiß, dass mit denen allenfalls die Fassade zu erneuern ist. Ein leicht durchschaubares Ränkespiel - auch im Hinblick auf die Strategie, die Bewegung durch gezielte Nichtbeachtung in die Radikalisierung zu treiben. Aus Palästina und Intifada nichts gelernt! Oder etwa doch? Ein „Staat“ muss mit Radikalen nicht reden, nicht verhandeln - er darf handeln! Also tabuisiert Vater Staat radikale TR-Thesen, Traditionsbrüche und die geforderte geistige Offenheit und Diskussion für eine gesellschaftliche Erneuerung als seien Entwicklungsfeigheit und Verantwortungsflucht politische Tugenden.

Aber sind Tierrechtler/innen nun wirklich irrational und übersensibel?  

Ist es irrational und übersensibel, wenn Tierrechtler/innen die grauenhaften Lebensbedingungen in der modernen Massentierhaltung anprangern? Ist es irrational,  die Lüge zu entlarven, dass Fleisch ein Stück überlebensnotwendige Lebenskraft und Milchprodukte aus gesundheitlichen Aspekten wichtig seien? Ist es tatsächlich irrational und übersensibel,  den Massenmord an wehrlosen Lebewesen in Tierversuchlaboratorien für einen fragwürdigen Fortschritt oder für die menschliche Eitelkeit wegen einiger Fältchen und grauer Schläfen zu kritisieren? Ist es irrational, das Tragen eines Pelzmantels zu kritisieren, der aus 30 bis 200 Pelztierleichen besteht, und der nur auf  Grund eines animalischen Balzverhaltens zur Schau getragen wird? Ist es irrational und übersensibel, die Jagdleidenschaft einer verschwindenden Minderheit in unserem Lande zu verdammen, die einerseits zur Ausrottung ganzer Arten, andererseits - durch die jahrzehntelange Praxis der Beifütterung - zu immensen Flurschäden und einem Ungleichgewicht der natürlichen Populationen in unseren Wäldern beigetragen hat? 

Trifft es tatsächlich zu, dass Tierrechtler/innen irrationale und übersensible Menschen sind, weil sie eine friedfertige Mensch-Tier-Natur-Beziehung propagieren, eine Beziehung, die nicht zur globalen Katastrophe führt, eine Beziehung, bei der Verstand und Sensibilität - als funktionstüchtiger „Welterkenntnis-Apparat“ - gezielt zur Verminderung von Leid und Grausamkeit eingesetzt werden. Trifft es etwa nicht zu, dass die „bestehende Ordnung“ zu einem Meer an Blut und Tränen im Laufe der Geschichte geführt hatte? Sind Tierrechtler/innen irrationale und übersensible Menschen, weil sie sich für eine „bessere Welt“ einsetzen?

Die Antwort kann nur ein entschiedenes NEIN sein!

Die antiquierte, anthropozentrische „Ordnung“ hat „Masse Mensch“ zur Unmündigkeit getrieben und ihn blind gemacht für die Mega-Tragödie, die sich vor seinen Augen abspielt. Nach der religiösen Indoktrination und der geistigen Versklavung vieler mehr oder weniger erfolgreich agierender Jenseits-Spekulanten und sakrosankter Vordenker der Philosophie - mit der Folge der bis heute anhaltenden Wahnvorstellung, Krone der Schöpfung, auserwählte Herrenrasse oder Ebenbild Gottes zu sein - folgte die „Entgeistigung“ der Masse durch die Konsum- und Medien-Diktatur, die den Umgang der Verfechter der “Fraßkultur“ mit Tier und Umwelt zementierte und moralisch legalisierte. (Laut einer Studie verbringen in den USA Kinder bis zu ihrem 18. Lebensjahr 13.000 Stunden in der Schule und 25.000 Stunden vor dem TV. Sie sehen dabei ca. 36.000 Morde und ca. 200.000 Gewalttaten.) Dem so entmündigten und gefühlskranken Mensch ist es nicht mehr Pflicht, sich über das Gedanken zu machen,  was er direkt oder indirekt durch sein Tun und Lassen bewirkt. Seine Handlungen und sein Denken bleiben auf das Unmittelbare und auf das Minimal-Umfeld beschränkt. Geradezu zwanghaft klammert er sich an sein altes Welt- und Selbstverständnis, als ob Tradition ein Granat für Wahrheit und richtiges Handeln sei.

Die „Moral“  bleibt ohnehin auf der Strecke - selbst die Moral, die für den Menschen gedacht war. Sie hat nur einen untergeordneten Stellenwert, der bekanntlich immer erst nach dem Fressen kommt, so dass sich ein Appell an sie kaum lohnt. Die kollektive Gleichgültigkeit - als Ausdruck eines Werte-Bewusstseins mit ICH-Priorität - verrät selbst die eigene Art. Moral, Altruismus und Humanität enden dort, wo es um den eigenen Bauch und um den trivialen Zungenkitzel geht. Ab hier hört der Spaß für „Masse Mensch“ endgültig auf, ab hier werden Moral, Altruismus und Humanität zu Fremdwörtern.

Drehen wir den Spieß um!

Ist es nicht irrational und darüber hinaus ein Zeichen eines pathologisch auffälligen Mangels an Sensibilität, dass angesichts der Tatsache, dass weltweit täglich rund 38.000 Kinder an Hunger sterben, die eigene „Fraßkultur“ nicht gründlich hinterfragt und schleunigst aufgegeben wird? Ist es nicht irrational, ja geradezu krankhaft unsensibel, dass jährlich weltweit Millionen erwachsener Menschen an den Folgen von Unter- oder Mangelernährung sterben, aber in Wohlstandsländern eine Ekel erregende Völlerei (Super-Size-Me!) betrieben wird? Ist es nicht irrational und unsensibel, Nahrungsmittel aus Gründen der eigenen „Fraßkultur“ und der Marktbereinigung zu vernichten, während in der Dritten Welt massiver Hunger herrscht? (BSE) Ist es nicht irrational und ein Akt schlimmster Menschenverachtung, Reis, Mais und Tapioka von den Tellern verhungernder Artgenossen zu stehlen (man nennt das Globalisierung), um damit unsere „Nutztiere“ zu mästen?

Und „Masse Mensch“ weiß es mittlerweile: Kein einziger Mensch müsste auf der Erde verhungern, würden die Wohlstandsgesellschaften ihre „Fraßkultur“ aufgeben und zu einer tierproduktfreien Ernährungsweise übergehen!
 
Meine Wut wächst! Sie wächst, weil die „alte Ordnung“ so total versagt hat, dass mir das kalte Kotzen kommt. Sie wächst, weil doppelter Frevel begangen wird: am menschlichen und am nicht-menschlichen Tier. Doppelter Frevel auf Grund einer doppelten Moral! Kollektiver Sadismus und kollektive Verdrängung oder beides! Kollektiv unterlassene Hilfeleistung! Kollektive Begünstigung von Tiermord! Kollektive Gleichgültigkeit! Kollektive Geist- und Mitleidslosigkeit! Kollektive Unmenschlichkeit!

In meinen Augen kriminell, krankhaft, ignorant, verabscheuungswürdig!

Liebe Tierrechtler/innen, bewahren Sie sich Ihre Rationalität und Ihre Sensibilität! Sie können wahrlich stolz darauf sein! Geben Sie Ihrer Wut Freigang, und verwenden Sie die oben angeführten Argumente, wenn Sie demnächst wieder als irrational und übersensibel beschimpft werden!

Seien Sie gegrüßt und umarmt

Stefan Bernhard Eck

(Arbeitskreis Tierrechte & Ethik – A.K.T.E.)
www.tierrechteportal.de
www.frasskultur.de


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