Auszug aus dem Buch „Leichenschmaus“,  Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung
von Helmut F.Kaplan,  Rohwolt Verlag 1992, Seiten 134 bis 136

                          Unsere Erde wird von außerirdischen Lebewesen besetzt, die uns Menschen aufgrund ihrer Intelligenz weit überlegen sind. Wie es der Zufall will, sind uns diese außerirdischen Lebewesen in genau jenem Maße überlegen, wie wir den Tieren überlegen sind. Unglücklicher Weise haben diese Außerirdischen uns gegenüber auch die gleiche Einstellung, die wir gegenüber Tieren haben: Sie sind fest davon überzeugt, daß Menschen für sie geschaffen sind. Insbesondere haben diese neuen Herrscher auf der Erde die Gewohnheit, Menschen zu essen.

Kritik an dieser Tradition halten sie für vollkommen abwegig. Sie verweisen ungehalten auf ihre höhere Intelligenz, sowie darauf, daß Menschenfleisch ihrer Gesundheit zuträglich sei. Abgesehen davon schmecken Menschen einfach gut. Darüber hinaus habe ihr Gott, der sie nach ihrem Ebenbilde geschaffen habe, überhaupt nichts gegen den Genuß von Menschenfleisch einzuwenden - und schließlich hätten sie >>schon immer<< Menschen gegessen.   Dennoch gibt es unter den Außerirdischen auch eine Gruppe, die sich zwar nicht prinzipiell gegen die Nutzmenschhaltung ...
... ausspricht, wohl aber gegen deren Auswüchse. Die Forderungen dieser sogenannten >>Menschenschützer<< finden zunehmend auch in den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen der Außerir5dischen ihren Niederschlag (humane Aufzucht, Artgerechte Haltung, schmerzfreie Schlachtung usw.). Die Praxis sieht allerdings, leider, oft ganz anders aus. Hier wird häufig noch mit >>traditionellen<< Methoden gearbeitet, die den Menschen unnötiges Leiden verursachen.
   Jedenfall beginnen die Außerirdischen sofort nach ihrer Invasion damit, die Erde flächendeckend mit Menschen-Schlachthäusern auszustatten, um ihren immer höher werdenden Bedarf an Menschenfleisch zuverlässig decken zu können. Schon sehr bald sind sie in der Lage, die Nachfrage ohne jegliche Importe befriedigen zu können. Und dies bedeutet, daß täglich viele Millionen Menschen, Erwachsene wie Kinder (die wegen ihres zarten Fleisches als besondere Delikatesse gelten) geschlachtet werden, um die Außerirdischen mit ihrem geliebten Menschenfleisch zu versorgen.
  Auf den Transporten zu den Schlachthöfen, die oft tagelang dauern, und bei denen die Menschen im Sommer glühender Hitze und im Winter eisiger Kälte ausgesetzt sind, sowie in den Schlachthäusern selbst spielen sich erschütternde Szenen ab. Einzelne Menschen versuchen in panischer Angst zu fliehen und werden dann von den Schlächtern aufs brutalste mit elektrischen Schlafstöcken und Fußtritten traktiert und wieder eingefangen. Mütter versuchen ebenso verzweifelt wie vergeblich, wenigstens ihre Kinder vor dem Schlimmsten zu bewahren.
    Es gibt aber auch einen Lichtblick. Angesichts der katastrophalen Zustände bei Aufzucht, Transport und Schlachtung der Menschen hat sich unter den Außerirdischen eine sogenannte >>Menschenrechts-Bewegung<< gebildet, die zwar noch nicht sehr einflußreich ist, die aber doch immer stärker zu werden scheint. (Diese Menschenrechtsbewegung entspricht in bezug auf Stärke und Einflußmöglichkeiten übrigens exakt der heutigen Tierrechtsbewegung) Das Neue und Entscheidende an dieser Bewegung, deren Anhänger von der Mehrheit der Außerirdischen als irrationale Spinner angesehen werden, ist, daß man sich hier der Absurdität und Verwerflichkeit des Menschenfleischessens voll bewußt ist und deshalb nicht eine Reform, sondern eine Beendigung der Menschenfleisch-Produktion anstrebt.
    Nun ist innerhalb dieser Menschenrechtsbewegung ein Streit zwischen den Gemäßigten und den Radikalen entbrannt. Konkret geht es um die Forderung, daß die Menschen, die auf das Schlachten warten (was bis zu drei Tagen dauern kann), wenigstens mit Wasser versorgt werden sollten, damit sie nicht zu dem ganzen übrigen Streß auch noch schrecklichen Durst leiden müssen. Die gemäßigten Außerirdischen sind für die Durchsetzung dieser Forderung, weil sie das Leiden der Menschen verringere und ein schritt in die richtige Richtung sei. Die radikalen Außerirdischen sind gegen diese Forderung, weil ihre Erfüllung das Unrecht an sich nur verdecken und verlängern würde.
  Wer hat recht? Was ist von dieser Forderung tatsächlich zu halten? Unter welchen Umständen ist sie zweckmäßig? Dies scheint mir nun auch die wirklich vernünftige Fragestellung für unsere Problematik zu sein:

Neuerliche Modifikation der Kernfrage: Unter welchen Umständen sind gemäßigte Mittel im Kampf um die Beendigung der Ausbeutung von Tieren zweckmäßig? ...........

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aktualisiert am: 30.10.07