1. Vegetarische Raddemo in Berlin
»Ökologisch und vegetarisch in den Mai« mit den Grünen Radlern
´natürlich vegetarisch´, April 1999, S. 31-32

Ökos und VegetarierInnen, zwei Gruppen, die mehr gemeinsam haben, als viele auf den ersten Blick meinen. Dass vegetarische Ernährung auch ökologisches Handeln bedeutet, war für uns der Anlass, Einbindung in die Ökoszene von Berlin zu suchen. Wie kam es nun zu unserer gemeinsamen Veranstaltung? Durch Franks Vehemenz haben wir vor zwei Jahren mit Mühe erreicht, dass unsere Regionalgruppen-Adresse im »Raben Ralf«, einer Berliner Umweltzeitung, abgedruckt wurde. Mit Mühe wohl deshalb, weil auf den Ökomärkten, für die im »Raben Ralf« geworben wird, auch »Ökofleisch« angeboten wird. Ende 1997 wurden wir dann über diesen Adressenverteiler zu einer Diskussions-Umwelt- Veranstaltung eingeladen. Obwohl einige von uns meinten, wir seien dort nicht am richtigen Platz - und viele Umweltbewegte fanden das anfangs auch - nahmen Birgit und ich an allen vier Ökos und VegetarierInnen, zwei Gruppen, die mehr gemeinsam haben, als viele auf den ersten Blick meinen, Veranstaltungsabenden teil. Dass vegetarische Ernährung auch ökologisches Handeln bedeutet, war für uns der Anlass, Einbindung in die Ökoszene von Berlin zu suchen.
vegetarische Fahrrad-Demo
  Wie kam es nun zu unserer gemeinsamen Veranstaltung? Durch Franks Vehemenz haben wir vor zwei Jahren mit Mühe erreicht, dass unsere Regionalgruppen-Adresse im »Raben Ralf«, einer Berliner Umweltzeitung, abgedruckt wurde. Mit Mühe wohl deshalb, weil auf den Ökomarkten, für die im »Raben Ralf« geworben wird, auch »Ökofleisch« angeboten wird. Ende 1997 wurden wir dann über diesen Adressenverteiler zu einer Diskussions-Umweltveranstaltung eingeladen. Obwohl einige von uns meinten, wir seien dort nicht am richtigen Platz - und viele Umweltbewegte fanden das anfangs auch - nahmen Birgit und ich an allen vier Veranstaltungsabenden teil. Am letzten Abend wurden Leute zur Vorbereitung der sogenannten Ökofete, einem Freizeittreffen der Berliner Umweltbewegung, gesucht. Birgit und ich sagten zu, uns um die Verpflegung zu kümmern, wenn sie denn ausschließlich vegetarisch sein dürfte. So ganz begeistert waren die Ökos nicht, hatten sie doch vom Grillen ohne Fleisch noch nichts gehört. Aber von da an waren wir im Vorbereitungskomitee, Ingo kam auch dazu. Da wir mit unseren Rädern vorfuhren und damit unsere kritische Haltung gegenüber Autos dokumentierten, waren wir schnell akzeptiert. Die sogar fast vegane Verpflegung auf der Ökofete 1998 mit 75 Teilnehmenden kam so super an, dass unser Küchenteam um Morgenland-Koch Alexander Nabben auch gleich für 1999 gebucht wurde. Birgit, Doreen und ich hielten einen Vortrag über die Zusammenhänge von »Vegetarismus und Ökologie«. Es gab spannende Diskussionen, die zeigten, dass zwar Produkte aus der Massentierhaltung verbal abgelehnt werden, aber »ökologisch erzeugtes« Fleisch aus dem Umland, wenn es denn in Maßen verzehrt wird, akzeptiert ist. Ich weiß aber, dass einige Leute durch die Begegnung mit uns dem Vegetarismus sehr nahe gekommen sind, Die Grünen Radler, die uns auf der Ökofete kennengelernt hatten, traten an uns heran und machten den Vorschlag, eine gemeinsame Raddemo unter dem Motto »Ökologisch und vegetarisch in den Mai« zu veranstalten, Am 2. Mai 99 trafen wir uns bei schönem Wetter am Roten Rathaus in Berlins Mitte. Wir zählten 60 Pedaltreterlnnen, darunter ca. 25 Leute von der »Vegetarischen Alternative«, die sich unter Polizeibegleitung in Bewegung setzten. Mit lautem Klingeln ging's durch´s Brandenburger Tor, durch die neuen Straßen am Potsdamer Platz und dann immer weiter Richtung Osten. »Vegetarisch macht fit« stand auf großen Schildern, die wir auf zwei Anhängern mitführten, damit die Passanten mitbekamen, wofür wir radelten. Nach ca. drei Stunden kamen wir am Abenteuer-Umweltspielplatz »Wicke« in Marzahn an und veranstalteten ein vegetarisches Picknick. Interessant war die Besichtigung des noch nicht ganz fertig gestellten Spiel- und Betreuerhauses, eines kugelförmigen Baus aus Lehm, Holz, Weidengeflecht und natürlichen Dämmstoffen - für die heutige Zeit und in der Umgebung vieler Hochhäuser recht außergewöhnliche Baumaterialien. Geplant ist, im Haus ein vegetarisches Café für das Wochenende zu betreiben. Nach einem netten Beisammensein in der Sonne fuhren dann die Geübten wieder auf ihren Rädern, die anderen per S-Bahn nach Hause. Ich sehe uns als Teil der Umweltbewegung, und wenn wir die vegetarische Idee weitertragen wollen, müssen wir über unseren eigenen Tellerrand hinausgucken und uns auch mit Umweltpolitik auseinandersetzen. Nur so werden wir von den grundsätzlich aufgeschlossenen Ökos ernst genommen, und nur so kommt es zu solchen gemeinsamen Veranstaltungen.

Christiane Degenhardt