Ökologische Dreckschleudern
Fleisch frisst Menschen
"Fleisch frisst Menschen, 1987; als DVD; wo er zzt. angeboten wird, kann bei mail(at)veganleben.info erfragt werden.
Laut dem Ökologen Dr. Georg Borgstrom produziert die Viehzucht in
den USA zehnmal soviel Müll als Wohnviertel und dreimal soviel als
die Industrie. (Lappe, die Öko-Diät, 1982). Diese Umweltzerstörung
findet überall in den reichen Industrieländern statt, natürlich
auch in Europa.
Holländische Forscher von der Agrar-Universität Wageningen
haben den Zusammenhang zwischen Gülle und Waldsterben untersucht.
Sie stellten fest: verdunstende Gülle ist wesentlich mitschuldig am
sauren Regen. In Holland geht ein Drittel des Waldsterbens aufs Konto der
Massentierhaltung. Mit der Gülle verdunstet das darin befindliche Ammoniak.
Mit dem Regen fällt es auf Blätter und Nadeln, wandelt sich in
Säure um und schädigt so den Stoffwechsel und die Wurzeln (normalerweise
reagiert Ammoniak basisch, doch in der Atmosphäre wandelt er sich durch
Oxidation in Säure). Die Zellen werden nicht mehr richtig ernährt.
Als Folge davon sterben die Bäume ab - je nach Art des Baumes, der
eine schneller, der andere langsamer.
Früher dachte man in Holland,
das sei ein regionales Problem. Heute hat man festgestellt, dass die Ammoniak-Wolken
aus Holland noch bis Lappland nachweisbar sind. (Dr. J.G.M. Roelofs, Agrar-Universität
Wageningen).
Die Untersuchungen zeigen, dass die Gegenden, in denen Massentierhaltungen
angesiedelt sind, am schwersten unter dem Waldsterben leiden. Im holländischen
Peelgebiet, sollen bereits 97 % des Waldes tot sein (Marijke Brundt, Stiftung
Natur und Milieu). Der Zusammenhang mit der Viehhaltung ist also unbestritten.
Die Forschungen - von der niederländischen Regierung mitfinanziert -
sind eindeutig. Wesentlich mitschuldig am saueren Regen ist die Überproduktion
von Fleisch. Doch gehandelt wird nur zaghaft, denn Fleisch und Eier sind
wichtige Exportgüter dieses kleinen Landes. Die Forscher stellten auch
Versuche mit künstlichen Biotopen an. Die einen Biotope wurden mit natürlichem
Regenwasser versorgt, dem Wasser der anderen Biotope wurde genau die Menge
Ammoniak zugemengt, die in Holland aus der Massentierhaltung ausströmt.
Das Ergebnis ist deutlich: Während sich in den Biotopen mit gutem Wasser
eine reiche Vielfalt von Pflanzen entwickelt hat, haben in den Ammoniakbelasteten
Biotopen nur Pflanzen überlebt, die gegen Stickstoff immun sind. Sie
verdrängen und überwuchern alles andere. Das Gleichgewicht ist
gestört und genau dieser Vorgang wiederholt sich in freier Natur: in
Mooren, auf Äckern und in Waldböden.
Das Nitrat aus der Massentierhaltung und der Landwirtschaft ist jedoch
auch schon ins Grundwasser eingesickert und von dort in unser Trinkwasser.
Die Wasserwerke haben große Probleme, da sie die Richtwerte oft nicht
mehr einhalten können. Nitrat wirkt sich vor allem auf Säuglinge
sehr schädlich aus, bei Kleinkindern kann es die roten Blutkörperchen
schädigen und es steht in dem Verdacht, bei Erwachsenen Krebs zu erzeugen.
Richtwerte können oft nicht mehr eingehalten werden. Das Beispiel von
Wyk auf Föhr, Kreis Nordfriesland ist niederschmetternd. Auf dieser
idyllische Nordseeinsel gibt es keine Industrie, keine Abgase vergiften die
Luft, kein Betrieb verschmutzt das Wasser. Dennoch nahm ein Kurgast eine Trinkwasserprobe
und fand gesundheitsschädigende Nitratgehalte, die aus der Tierhaltung
stammen. Es ist ein Irrtum zu glauben, Nitrat komme nur aus dem Kunstdünger,
denn es ist auch in dem natürlichen Düngstoff (der Gülle)
enthalten. Solange es noch solche Mengen an Vieh auf der Insel gibt, wird
das Problem nicht gelöst werden können und das örtliche Wasserwerk
wird immer wieder Gutscheine zum Bezug von Mineralwasser ausgeben müssen,
damit Säuglinge nicht krank werden. Sogar das Mineralwasser ist schon
betroffen, wie eine Analyse vieler Marken beweist. Laut Peter Meroth (Redaktion
Natur) wurden über 200 Mineralwasser geprüft und tatsächlich
fanden sich in einigen Marken so hohe Nitratwerte, dass sie die Grenzwerte
für Trinkwasser überschritten. Also ist das Grundwasser, das man
bis anhin unberührt glaubte, heute teilweise nitratbelastet. Auf lange
Sicht sind gesundheitliche Folgen nicht auszuschließen. Das Nitrat
wandelt sich in Nitrit um, und das Nitrit kann zusammen mit Eiweißbestandteilen
aus der Nahrung zu den krebsgefährlichen Nitrosaminen reagieren. So
vergiftet die Massentierhaltung, die sinnlose Fleischüberproduktion,
unsere wichtigste Lebensgrundlage, das Wasser. Zudem verbraucht sie erschreckend
viel Wasser. Untersuchungen zeigen, dass die Pflanzenkostproduktion 1200
Liter Wasser pro Tag benötigt, um einen Menschen zu ernähren. Bei
Gemischtkost von Tieren und Pflanzen hingeben, benötigt man 10.000 Liter
pro Tag, um einen einzigen Menschen zu ernähren.
Mit zunehmender Tiermenge legte man immer mehr Maisfelder an, da Mais
große Mengen an Gülle verträgt. Diese Maisfelder dienten
gleich zwei Zwecken: einerseits als "Gülleschlucker" und andererseits
als Futter zur Aufzucht von Vieh. Die Folgen dieser Monokultur sind schlimm.
Der Maisanbau fördert die Erosion, und so wird die fruchtbare Erde vom
Regen leicht weggeschwemmt. Die Maisfelder werden zudem mit Mengen von Unkrautvertilger
gespritzt, der neben der Gülle zusätzlich ins Grundwasser sickert.
Das Vieh der Reichen frisst die Nahrung der Armen
Der Brasilianischer Regenwald wird als die Lungen unseres Planeten bezeichnet.
Konzerne, Banken und Versicherungsgesellschaften lassen ihn in großem
Maßstab abholzen, denn die brasilianische Regierung gab große
Steuervergünstigung für Arbeitsbeschaffungsprogramme im Urwald.
Auch die Weltbank finanzierte mit. Zwar gibt es heute strengere Gesetze,
aber an die hält sich kaum jemand. So wird erst abgesägt, dann abgebrannt.
Pflanzen und Tiere, deren Namen wir noch nicht einmal kennen, sterben mit
den Wäldern aus. Man macht sich oft auch gar nicht mehr die Mühe,
die edlen Tropenhölzer abzutransportieren, um daraus Möbel herzustellen.
Hier geht es vor allem darum, Weideflächen für Vieh zu schaffen,
denn Brasilien weist einen der größten Rinderbestände der
Welt auf. So nimmt die Verwüstung ihren Lauf und die Schädlinge
nehmen zu, besonders die Termiten. Wiederaufforstung ist kaum möglich,
weil der fruchtbare Boden dazu viel zu dünn ist. In ein paar Jahren
wird ihn der tropische Regen weggeschwemmt haben. Aus den umfassenden Brandrodungen
steigt zudem Kohlendioxyd in die Atmosphäre auf und löst eine
komplizierte Kettenreaktion aus, die mithilft das Weltklima zu verändern.
Die Vernichtung des Regenwaldes wird für die ganze Menschheit Folgen
haben.
Doch wozu dient diese Zerstörung? Der größte Teil des
brasilianischen Fleisches wird exportiert, und zwar hauptsächlich in
jene Länder, die ohnehin an Überschüssen leiden. Deshalb wird
es vorwiegend als Hunde- und Katzenfutter, Knochenmehl und Fleischextrakt
verwendet, während die Armen des Landes hungern!
Im Osten Brasiliens gibt es riesige Sojafelder. Man kann sie als Schlachtfelder
zwischen den Armen in der dritten Welt und den Reichen in den Industriestaaten
betrachten. Doch die Armen haben bereits verloren, denn sie wurden bereits
von dem Land vertrieben, auf dem nun Soja für das Vieh der reichen Staaten
wächst. Während im fernen Europa Schweine, Rinder und Geflügel
gemästet werden, begehen die Menschen hier Landflucht und enden in
den Armutsvierteln der Großstädte. So führt Fleischüberproduktion
zu Armut. Soja könnte die Menschen in Brasilien ernähren, aber
es wird vollständig exportiert, um unter anderem auch in Europa an das
Vieh verfüttert zu werden. Dabei machen das große Geschäft
nicht die Brasilianer, sondern eine Handvoll westlicher Konzerne. Und aus
dem Westen kommen ebenfalls für Milliarden von Dollar Düngemittel,
die für die Felder unentbehrlich sind und gleichzeitig die Umwelt zerstören.
Prof. Frederic Vester, Biochemiker und Publizist führt diese Vernetzung
mit den armen Ländern nochmals klar vor Augen. In Drittweltländern
wird Futter angebaut, das in den reichen Industriestaaten verfüttert
wird. Inzwischen weiß man, dass wenn man Wälder abholzt, um daraus
Ackerland zu machen, man nach höchsten zwei Jahren weder Ackerland noch
Wald mehr hat.
Die Grenze ist erreicht. In dem Moment, wo man Futter anbaut, das man
hier an Hähnchen und Rinder verfüttert, um dann erst deren Fleisch
zu essen (wobei es bei jeder Stufe der Nahrungskette wieder einen Verlust
an Kohlenhydraten, Kalorien und Proteinen gibt), haben wir nur noch einen
Zehntel von dem, was wir haben könnten, wenn wir die Pflanzen unmittelbar
verwerten würden. Dies ist oft sehr hochwertiges Eiweiß. Die Entwicklungsländer
mögen von uns vielleicht 2 - 3 Mia Tonnen Eiweiß bekommen, doch
wir holen aus ihnen 3 - 4 Mia Tonnen heraus, verfüttern es an unsere
Tiere, um dann wiederum nur einen Zehntel davon zu essen. Doch - Wer von
uns denkt schon darüber nach, dass unsere täglichen Essgewohnheit
auch Konsequenzen für Menschen in der Dritten Welt haben?
Unsere Fleischlust = Die Vernetzung der Unvernunft und Zerstörung
In den achtziger Jahren gab es in den USA manchmal pro Woche 2'000 Farmer,
die ihren Beruf aufgeben mussten. Diese Entwicklung zeigt, dass der Intensivanbau
seine Grenzen hat. Ein Kreislauf, der mit dem Kollaps endet: Die Farmer müssen
immer intensiver bewirtschaften - sie brauchen immer teurere Maschinen -
dafür holen sie sich die Kredite von der Bank - diese Kredite erhalten
sie nur, wenn sie sich versichern lassen - die Versicherung des Betrages
erhalten sie nur, wenn sie sich verpflichten, bestimmte Chemikalien, Maschinen
und Saatgut zu verwenden - das ist wieder teuer, also brauchen sie neue Kredite
- das steigert sich solange bis der Bankrott vor der Türe steht. Ein
Grossteil der 160 Banken, die in der USA im Jahre 1986 schließen mussten,
wurde dazu, aufgrund dieses falschen Rechnens im Agro-Geschäft, gezwungen.
Hier steckt nur das kurzsichtige ökonomische Interesse einer ganz kleinen
Gruppe dahinter. Volkswirtschaftlich ist dieses Vorgehen ein Wahnsinn, denn
es wird Geld verschwendet, die Umwelt wird zerstört, mit den Tieren
wird grauenhaft umgegangen und unsere Gesundheit leidet darunter.
(Quelle: ARD Film "Fleisch frisst Menschen, 1987)
Zahlen, die nachdenklich stimmen
Weltweit wird ein Drittel der Getreideernte an Vieh verfüttert.
Weltweit wird zwei Drittel der Ölsamen an Vieh verfüttert.
Weltweit wird ein Drittel der Milchprodukte an Vieh verfüttert.
Für 1 Pfund Rindfleisch muss man 16 Pfund Getreide verfüttern.
Die Differenz von 15 Pfund setzt das Tier in Energie um, und geht
dann größtenteils als Mist und Gülle verloren.
Anders ausgedrückt: in einem einzigen Steak von 225 g steckt
soviel Pflanzenenergie, dass man 40 Menschen einen Tag vor dem Hungertod
bewahren könnte.
Wenn wir die Nahrung direkt verwerten (uns vegetarisch ernähren),
erhalten wir aus dem gleichen Stück Land das fünf- bis zehnfache
(1000 % mehr) an Nahrung.
Für einen einzigen Hamburger müssen vier bis fünf
Quadratmeter Regenwald in Weide- oder Ackerland umgewandelt werden,
das in 2 bis 5 Jahren zur Wüste wird.
Fleischkonsum pro Kopf und Jahr in Deutschland: 100 kg.
Körner oder Keule. Der steigende Fleischkonsum in China und seine
Folgen. Ein Artikel aus DIE ZEIT Nr. 25, 14. Juni 1996