Gärtnerhof an den Heiligen Pfühlen
Stand 1997, kommentiert von WolfRAM Löschke

Seit ca. 1998 war ich Kunde eines Wochenmarktstandes dieses DEMETER- Hofes in Berlin-Köpenick, dessen damaliger Mitarbeiter (Peter) desselben zum nächsten Erntedankfest nach Wilmersdorf einlud. Von einer köpenicker Veganerin hatte ich gehört, daß jener Hof seine Tiere zwar arbeiten ließe, aber ihnen auf dem Hof einen Altenteil gewähre, d.h., daß dort die gewonnene Kuh- und Ziegenmilch NICHT auf Schlachterei basiere. Das resultiert aus der christlichen Gesinnung des Geschäftsführers Ingo Berthold und seiner MitarbeiterInnen und besonders aus seinen Erfahrungen bei einem Bauernhof, von dem er mir erzählte, daß manchmal die gesamte Kuhherde zum Schlachthaus deportiert worden sei, weil einige von ihnen krank gewesen seien.

Und so fuhr ich dann am nächsten 3.Oktober hin, wo das Erntedank- und zugleich Hofgründungsfest trotz des feuchtkalten Wetters in froher Runde stattfand, mit Vorführung der Obstsaft- und Leinsamenpresse, des alten externen Backofens, wo auch die Kinder mitbuken und bei einem zünftigen lactovegetarischen Festmahl mit einer schmackhaften Kürbissuppe, Gebäcken und Gurkensalat. Den mit Kuhmilch-sahne gemischten Gurkensalat nahm ich ausnahmsweise und ohne Skrupel zu mir, da diese ja vom schlachtfreien Gärtnerhof stammten. Dieser Hof ist eines der Vorwerke von Wilmersdorf, zwischen Fürstenwalde/Spree und Frankfurt/Oder, idyllisch am Waldrand gelegen, nahe einiges erhosamern Badesees (ca. 15 Min. Radeln). stammte.
harvest fiest in 1997 of the Gärtnerhof-farm

 Der geschäftsführende Inhaber, Ingo Berthold, unterhält mit einigen sich abwechselnden MitarbeiterInnen zwei Pferde, ein paar, Hühner, Kühe und Ziegen, deren Milch er auch zu Butter und Käse verarbeitet und an Nachbarn verkauft, z.B. an eine benachbarte Grafschaft.
Auf Wochen- und Ökomärkten verkauft der Hof jedoch nicht nur eigene Produkte, sondern auch von anderen DEMETER-Höfen, Obst, Gemüse, Getreide, Vollwert-Backwaren, je nach Jahreszeit und Vorrätigkeit, auch mit Vorbestellung.

Beim Gärtnerhof steht zwar nur ein etwas bescheidenes 2-stöckiges Bauernhaus und diverse Stallungen, Schuppen und Wohnwagen, doch betreibt der Ingo einen PC, Solarzellen für die Koppeleinfriedung und hat verschiedene Obstbäume, die er nach und nach zu einer Obstplantage erweitern will. Bei den umfangreichen bürokratischen Auflagen und unvermeidlichen Maßnahmen ist er ja auch noch bei der freiwilligen Feuerwehr; sodaß er selbst kaum noch Zeit genug für die Feldbestellung und Tierpflege findet und wegen der Fluktuation immer wieder nach neuen MitarbeiterInnen suchen muß und schon überlegt hat, keine weiteren Kühe und Ziegen mehr zu beschaffen und sich ganz auf die Pflanzenkultivierung zu verlegen.
Wegen des matschigen Wetters wurden wir an jenem Tag nur kurz zwischen Feldern und Weiden herumgeführt und beschränkten uns sonst auf häusliche Aktionen, eng, wenig spektakulär, aber urgemütlich.

Im Juli 99, campte ich dann mit ´Pauli´, dem Söhnchen einer Berliner Bekannten, bei diesem Hof zwischen Gemüsefeldern, Weideflächen, Pfuhl und Büschen. Wir bereiteten auf dem Spirituskocher am Zeltplatz vegane Suppen mit Wildgemüsen und teilten diese auch mit den Hofmitarbeitern, die uns auch von ihren Speisen abgaben. Sie alle ernähr(t)en sich dort (lacto-) vegetarisch, zeigten sich aber beeindruckt, daß so viele verschiedene vegane und doch abwechslungsreiche, schmeckende und sättigende Eintöpfe zustande kamen. Für unseren 2-wöchigen Camping nötigte ich dem Ingo DM50,00 auf und brauchte nur ein paar Stunden auf einem Chicoree-Feld etwas "Unkraut" zu jäten und den Chicoree zu lichten, der dann gleich für den nächsten Eintopf verwendet wurde.
Es gibt etliche Aufgaben, die ein Gast dort übernehmen kann: mal den Kühen auf der Weide Wasser in den Trog schütten, Pferde striegeln, Elektrozaun umsetzen o.a. Jedenfalls sind wir da sehr gastfreundlich aufgenommen worden. Pauli hatte sogar Ingos fast gleichaltrige Söhne mit dabei, die neben uns zelteten und mit denen er sehr innig und ideenreich spielte.

Vielleicht - und das ist auch ein Anliegen dieser Schilderung - erkennt macher Leser, mit wie wenig Aufwand man einen netten Urlaubsaufenthalt aktiv gestalten kann, wenn man sich auf einfache Verhältnisse einstellen und sich dennoch oder vielleicht gerade darum gut erholen kann.
 

Mit freundlichen Grüßen von WolfRAM
 
 

Die Kühe machten hier nur noch Mist. ........ Wie ging es weiter?

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