Meinem Lehrer Sadananda,
der zur Zeit in Europa weilt
Wer bin ich?
Der Mensch ist ein dunkles Wesen, er weiß nicht, woher er kommt, noch
wohin er geht, er weiß wenig von der Welt und am wenigsten von sich selbst.
Goethe
Es schwinden, es fallen
die leidenden Menschen
blindlinks von einer
Stunde zur andern,
wie Wasser von Klippe
zu Klippe geworfen,
jahrlang ins Ungewisse hinab.
Hölderlin
Das verlorene Menschenbild
Noch vor wenigen Jahrhunderten gab es im Abendland ein einheitliches Menschenbild, zusammengewoben aus Judentum und Christentum, Altem und Neuem Testament und griechischer Dichtung und Philosophie.
Nichts ist gewaltiger als der Mensch, läßt Sophokles den Chor in der Antigone rufen.
Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Alle Geschöpfe sind ihm untertan. <<Fast machtest du ihn zu einem Gotteswesen>>, singt der Psalmdichter.
Die Kirche verkündet: <<Der Mensch wurde einmal zum Ebenbild Gottes geschaffen. Er hat gesündigt und ist gestürzt. Doch Gott hat sich in Gnade seiner erbarmt und hat seinen eingeborenen Sohn gesandt. Er hat sich geopfert, damit diejenigen, die an ihn glauben, die Hoffnung haben dürfen auf ein Auferstehen des Leibes in der Ewigkeit und ein Leben mit Ihm.
Das Menschenbild der Vergangenheit ist dahingeschwunden. Es ist kein einheitliches Menschenbild mehr in unserer sogenannten Kultur. Der eine sagt: der Mensch ist gut, der andere sagt: der Mensch ist böse. Der Mensch ist nicht besser als das Tier, er ist schlimmer. Er kann Kräfte entfesseln, die ihn und den ganzen Erdball zerstören können, was kein Tier vermag.
Das scheinbar einheitliche Menschenbild vergangener Zeiten hat sich wie in Rauch aufgelöst. Statt seiner sieht man die grauenvollen Auswirkungen menschlichen Tuns. Die Atombomben über Japan waren nur der Beginn einer sich steigernden Entwicklung.
Jede Zeitung bringt neue Einzelheiten menschlicher Bestialität.
Der um sich greifenden Verwirrung und immer größeren Unsicherheit über das Wesen des Menschen, dem Hin- und Herschwanken zwischen Beschönigung und vollkommener Verzweiflung entspricht eine nicht minder große Unsicherheit über die Ziele des menschlichen Lebens.
In erbittertem Werben um die Menschenmassen kämpfen die verschiedenartigsten Idealvorstellungen miteinander. Was hier als höchste Tugend angepriesen wird, gilt dort als Übel. Was hier Furcht einflößt, soll dort den Grund der Sicherheit, der Wohlfahrt und des Friedens bilden. The American Way of Life, ein Lebensstil, der noch vor wenigen Jahrzehnten auch in Europa als in die Zukunft weisend erlebt wurde, und das Bestehen der abendländischen Kultur und Demokratie verbürgen sollte, ist in die Brüche gegangen. <<God‘s own country>> hat sich als ein Reich des Hasses und der Furcht erwiesen. Unter dem Vorwand, die Demokratie auf Erden zu verteidigen, hat die Weltmacht USA, wie wir nun wissen, planmäßig Taten vollbracht, die nur mit dem Geschehen im Hitlerreich vergleichbar sind.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man in Europa vielfach geglaubt, daß aus dem großen Land im Westen etwas Heilvolles kommen werde und daß man mit den auf dem Schwarzmarkt ergatterten Nylonstrümpfen nicht bloß eine neuartige Ware erhandelt habe; man hat auch geglaubt, daß der auf sich selbst gestellte Mensch, wenn nur die richtigen wirtschaftlichen Bedingungen vorhanden sind, der Schmied seines eigenen Glücks werden könne.
Ähnlich schien die Sowjetmacht in den Augen vieler in die Zukunft zu weisen, selbst wenn die entbehrungsreiche Gegenwart hart und blutig war. Die Doktrin lautete hier, daß mit der Revolution und der Herrschaft des Proletariats ein neuer Menschentyp geboren wird, der sich so grundsätzlich von der alten Menschenart unterscheidet wie der neue Adam der christlichen Vorstellungswelt vom alten Adam. Früher war der Mensch versklavt, und jetzt ist er im Begriff, als Streiter im Klassenkampf ein Diener des arbeitenden Volkes zu werden. Man glaubte auch, der zukünftige Sowjetmensch werde in einem erdumspannenden Reich des Friedens leben. Kriminalität und Armut werden überwunden, und alles Unrecht wird getilgt sein.
Auch hier ist eine weitgehende Ernüchterung nicht ausgeblieben; ebenso wie auf der ganzen Welt bei vielen Menschen die Hoffnung geschwunden ist, daß der auf sich selbst gestellte amerikanische selmademan die Zukunft sei.
Nachdem <<der freie Westen>> wie der Sowjetstaat als Vorbilder zweifelhaft geworden sind, haben immer mehr Menschen, leidvoll enttäuscht, alle Hoffnung verloren oder im neuen kommunistischen China die Zukunft gesehen. In dieser dritten Weltmacht, wo der Mensch gewissermaßen wichtiger als die Maschine ist, lebt die Hoffnung auf eine dauernde Revolution, die nicht in einer gigantischen Parteibürokratie erstarren soll. Der gemarterte und ausgesogene Bauer bekommt seine Menschenwürde zurück, indem er nicht mehr für einen Herren front. Sein ganzes Leben und seine Arbeit erhalten einen tieferen Sinn, weil auch er ein Glied der immer fortschreitenden Revolution geworden ist.
Obwohl der Maoismus zuweilen stolz betont, daß seine Staatsform keineswegs auf andere weniger hoch entwickelte Völker übertragen werden könne, übt er indessen seine bloße Existenz und trotz der oben angedeuteten inneren Schwierigkeiten eine weltweite Anziehungskraft aus auf so verschiedene Gruppen, wie z.B. die idealistischen Studenten im Abendland und auf die hungernden Menschenmassen Asiens, Afrikas und Amerikas, die sich gegen die ungerechte Verteilung der irdischen Güter empören und es nicht länger ertragen wollen, von Tag zu Tag um ihr bloßes Dasein bangen zu müssen.
Zu den von den traditionellen großen Religionen geprägten Vorstellungen vom Sinn und Ziel des menschlichen Lebens sind in unserer Zeit also gleichsam neue Religionen hinzugetreten, die im Ringen um die Seelen den Vorteil haben, Befreiung von der drückenden äußeren und inneren Not verheißen zu können, eine Erlösung im Diesseits und nicht erst in einer anderen Welt nach dem Tod.
Von der Propaganda der Weltmächte hin und her gerissen, steht der suchende Mensch. Ihm bleibt wenig Wahl. Wohin er blickt: Streit. Selbst die Mission betreibenden Religionen sind zerspalten und unterhölt, von den zersetzenden Kräften der Welt ergriffen.
Die Wohlfahrtsstaaten im Norden, die in ärmeren Ländern vielfach als Vorbild angesehen werden, haben gezeigt, daß auch bei völliger Beseitigung des Hungers noch keineswegs Glück und Frieden und eine neue Kultur entstehen. Die eigene Lieblosigkeit und die der Mitmenschen, die Einsamkeit, das Erschrecken über die Sinnlosigkeit des Lebens, die Angst vor Krankheit, Alter und Tod werden durch höheren Lebensstandard nicht geheilt. Obwohl vom Sterben zu sprechen bei vielen von uns unschicklich geworden ist und man die Tatsache des Todes soweit als möglich zu überschminken versucht, ist die geheime Todesfurcht stärker als jemals. Auch bei Ärzten und Priestern herrscht Ratlosigkeit und Furcht vor dem einzig Gewissen. Unsere Angst ist nicht geringer als zur Zeit Homers und der Weisheit Salomonis, wo der Fromme klagt:
<<Und es geht dem Menschen wie dem Vieh, wie das Vieh, so stirbt er auch … Wer weiß, ob der Geist des Viehs abwärts fahre und der des Menschen aufwärts.>>
Selbst die Lieblinge der Götter entgehen dieser Angst nur selten. Der Arzt Dr. Vogel, der Zeuge der letzten Tage Goethes war, berichtet über das Sterben des Dichters, daß ihn die Nähe des Todes mit dem Grauen des Elends überfallen hatte. Seine dämonische Sicherheit schlug in das tragische Entsetzen vor dem Nicht-mehr-Sein um. <<Fürchterliche Angst und Unruhe trieben den Greis bald ins Bett, bald auf den Lehnstuhl. Der Schmerz, der sich mehr und mehr auf der Brust festsetzte, preßte dem Gealterten bald Stöhnen bald lauter Geschrei aus. Die Gesichtszüge waren verzerrt, die Augen tief in ihre lividen Höhlen gesunken, mattrübe. Der Blick drückte die gräßlichste Todesangst aus.>>
Auch wenn der Mensch nunmehr, den technischen Träumen des alternden Faust weit überlegen, in den Weltraum fährt und seinen Fuß auf den leblosen Boden des Mondes zu setzen vermag, hat sich in seinem Bewußtsein nur wenig verändert. Trotz der Erkenntnise neuzeitlicher Tiefenpsychologie und Astrophysik und trotz der Errungenschaften der Sozialwissenschaften, die uns lehren, wie der Mensch im Kollektiv handelt, weiß er, über Sinn und Ziel seines Lebens und sein eigenes wahres Wesen befragt, kaum eine Antwort zu geben. Hilflos wiederholt er in dieser Lage zumeist konventionelle Redensarten, die nicht aus seinem Innern stammen.
Das Rätsel des Todes ist noch immer nicht gelöst, weder in den kapitalistischen noch in den sozialistischen Ländern.
Einer der gläubigsten Menschen und ehrlichsten Denker unserer Zeit, Simone Weil, schrieb kurz vor ihrem eigenen Tode auf den Schlußseiten ihrer letzten Arbeit: <<Was auch im Himmel die geheimnisvolle Bedeutung des Todes sein mag, auf Erden ist es die Verwandlung eines Wesens aus zuckendem Fleisch und denkendem Geist, eines Wesens, das begehrt und haßt, hofft und fürchtet, will und nicht will, in einen kleinen Haufen reglosen Stoff.>>
(Die Einwurzelung, S. 434)
Simone Weil hat schon in den dreißiger und vierziger Jahren eine Geisteshaltung vorweggenommen, die heute bei vielen jungen Menschen selbstverständlich geworden ist. Dazu gehört auch, daß ihr Gesichtskreis nicht auf die traditionelle Kultur des Mittelmeerbeckens beschränkt blieb, sondern daß sie mit dem gleichen Ernst und der Freimütigkeit und Empfänglichkeit, mit der sie an das Christentum herantrat, sich auch von entfernteren Traditionen inspirieren ließ.
Ich glaube, es ist im Sinn dieser gläubig ungläubigen Mystikerin, welche wie wenig andere die äußere und innere Not der großen arbeitenden Menschenmassen, der Verdammten aller Länder und Zeiten, erkannt hatte, wenn wir heute den Versuch machen, den Themenkreis - Was ist der Mensch, was sind seine Ziele - auf Erden und aus einer Ewigkeitsperspektive gesehen - im Lichte der altindischen Offenbarung zu betrachten. Ein solcher Versuch bedeutet keine Mission, kein Bekehrenwollen, und soll nicht der Erbauung dienen. Es handelt sich ganz einfach darum, darzustellen, wie diese zentralen Fragen, die uns alle berühren, wenn wir am Sterbebett eines geliebten Menschen stehen, im Sinne der indischen Offenbarung beantwortet werden.
Ob man an diese Offenbarung glaubt oder nicht, ein wenig Kenntnis des Menschenbildes, das sich aus diesen Urkunden der Hindus ergibt, ist heute, da Völker und Ideologien sich in ganz anderer Weise als noch vor einer Generation kämpfend und sich ergänzend begegnen, eine Vorraussetzung, um unsere eigene Lage zu erkennen.
Tod und Wirklichkeit
Wenn man die indischen heiligen Texte betrachtet, erkennt man betroffen, daß die Ausgangslage des Schülers, der einen Heilsweg zu gehen begehrt, häufig eine vollkommene Katastrophe ist, der Zusammenbruch aller bisherigen Existenz, der äußeren wie der inneren. In der Unterweisung ist zuweilen sogar der Tod Voraussetzung für die weitere Wanderung zu den letzten Zielen des menschlichen Lebens. Mitunter ist der Tod selber der Guru. Gemäß dem Bhaagavatam, einer der zentralen Offenbarungsurkunden der Hindus, gleicht der Lebenslauf jedes Menschen den letzten Schritten eines Verurteilten, der zur Richtstätte geführt wird. Auf verschiedenen Stationen dieses Weges werden ihm mancherlei Freuden angeboten: erlesene Speise und Trank, Musik und Tanz, sexuelle Genüsse. Er findet kein wahres Glück darin; ununterbrochen zittert ja sein Herz in Schrecken und Angst, weiß er doch: der Tod ist unabwendbar.
An anderer Stelle des gleichen Werks wird für die Wanderung des Menschen von der Geburt bis zum Tod ein verwandtes Bild verwendet. Der Lebenslauf des Menschen wird dem Gang einer Viehherde verglichen, die zum Schlachthaus getrieben wird. Der Schlächter ist die Zeit, die alle Lebewesen vor sich hintreibt. (Das Sanskritwort für Zeit <<kaala>> wird von den altindischen Grammatikern von der Wurzel <<kal>>, <<treiben>>, abgeleitet.)
Auch die Rahmenerzählung des zwölf Bücher und achtzehntausend Strophen umfassenden Bhaagavatam ist von Todesnacht umhüllt: Ein verfluchter König, Namens Pariekshit - der Name bedeutet der Geprüfte -, sitzt in Meditationshaltung am Ufer des Gangesstromes, sein Ende erwartend. Er weiß, nach sieben Tagen wird eine giftige Schlange ihn beißen, und er muß unweigerlich sterben. In weitem Kreis sitzen die großen Weisen des alten Indien ehrfurchtsvoll um ihn. Da kommt von ungefähr der Jüngling Shuka des Weges. Ohne Ursache kommt er, heißt es im Text. Was auch die ewiglich Freien tun, die auf Erden wandeln, es ist <<ohne Warum>>, keinem Zweck versklavt. Wie unschuldige Kinder schweifen sie dahin, von reiner Erkenntnis und Gottesliebe erfüllt und sie verschenkend. Der König fällt Shuka zu Füßen und fragt: <<Wie soll sich ein Mensch verhalten, der unmittelbar vor dem Tode steht?>>
Shuka lächelt und sagt, <<Eine gute Frage hast du gestellt>>, und er beginnt das zu berichten, was den Inhalt des großen Bhaagavatam ausmacht.
Was Pariekshit vernimmt, läßt ihn später ausrufen: <<Ich fühle keinen Hunger und Durst, obwohl ich doch seit sieben Tagen und Nächten faste, nicht einmal einen Tropfen Wasser zu mir genommen habe. Ich trinke ja den Nektar aus deinem Munde>> … <<In Gestalt des Todesfluchs ist Gott (Krishna) zu mir gekommen.>>
In der Katha Upanishad ist der Herr des Gesetzes von Ursache und Wirkung, der Bezwinger von allem, Yama, der Tod selbst, der Guru. Der Knabe Naciketas ist voll Mut und opfernder Hingabe bis an die Schwelle des Todes vorgedrungen. Drei Tage und Nächte muß er vor dem verschlossenen Tore warten, der Tod hat viel zu tun. Da er die Pflicht der Gastfreundschaft verletzt hat, gewährt ihm Yama die Erfüllung von drei Wünschen. Naciketas‘ letzter und wichtigster Wunsch lautet: <<Wenn der Mensch stirbt, da besteht ein Zweifel. Einige sagen, er existiert, andere sagen, er existiert nicht. Die Antwort darauf begehre ich! (Katha Upanishad I, 20) Der Tod wehrt ab: <<Darüber waren einst sogar die Götter im Zweifel. Das ist nicht leicht zu verstehen. Verborgen sind diese Zusammenhänge. Wähle eine andere Gunst, o Naciketas. Dränge mich nicht.>> (Katha Upanishad I, 21) Yama bietet dem Knaben alles Glück und alle Genüsse der Erde an, alle die üblichen Ziele der Menschen werden ihm greifbar nahe: schöne Frauen, Gesundheit, langes Leben, wohlgeratene Kinder und Enkel, unfaßberer Reichtum und Macht über die ganze Welt.
Naciketas lehnt ab: <<Behalte deinen Tanz und Sang. Wer weiß, ob diese Freuden bis zum Morgen währen … Kurz ist ja das Leben.>> Statt dessen begehrt er nochmals, vom Tod zu erfahren, was jenseits der Reiche der Natur, jenseits allen Ethos und jenseits aller Zeitenfolge ist: <<Über das, was über Recht und Unrecht ist, über Ursache und Wirkung, über Vergangenheit und Zukunft, darüber belehre mich.>> (Katha Upanishad 2, 14)
Auch der Hintergrund der Bhagavadgietaa ist ein großes Sterben. Zwei riesige Heere sind in Schlachtlinie gegeneinander aufgestellt. Die meisten Krieger auf beiden Seiten ahnen, daß sie diese Schlacht nicht überleben werden. Am Beginn der achtzehn Tage währenden Vernichtungsschlacht hat Arjuna, einer der größten Helden seiner Zeit, seinen Streitwagen auf das Feld zwischen den beiden Armeen hinausfahren lassen. Er war überzeugt gewesen, auf der Seite des Guten zu kämpfen. Beklommen sieht er nun auch auf der Gegenseite nahe Verwandte, ja seine geliebten Lehrer vor sich. Er weiß nicht mehr, was Recht und was Unrecht ist. Denn, was er auch tut, ob er kämpft oder nicht kämpft, er muß heiliges Gebot verletzen. In tiefer Verzweiflung bittet er seinen Freund und Wagenlenker Krishna um Belehrung.
Erst wenn die rechten Fragen gestellt werden, vermag der Guru Unterweisung zu geben, sonst bleibt er stumm. Während rings die Anzeichen eines herannahenden Weltuntergangs sich häufen, belehrt Krishna seinen Schüler Arjuna über das, was nicht der Vernichtung unterliegt:
<<Wisse das, von dem alles durchdrungen ist,
das Schwert schneidet es nicht,
das Wasser netzt es nicht,
das Feuer brennt es nicht,
der Wind trocknet es nicht aus …
unausdenkbar ist es, unvergänglich, ewig.>>
Bhagavadgietaa 2, 17, 22-23, 24
In den genannten Elementen ist im Sinne der altindischen Erkenntnis alles, was den Gesetzen von Zeit und Raum unterliegt, mit eingeschlossen. Ein Guru aus unserer Zeit könnte ohne weiteres hinzufügen: Keine Wasserstoffbombe vermag dieses Ewige zu zersprengen, an dem jedes Lebewesen in seinem innersten Anteil hat und von dem es durchdrungen ist.
Krishna spricht:
<<Es gab keine Zeit, da ich nicht war,
noch du, noch diese Fürsten dort,
und es wird in Zukunft keine Zeit geben,
da wir aufhören werden zu sein …>>
Bhagavadgietaa 2, 12
<<Wie für den, der in dem Leibe wohnt,
Kindheit, Jugend und Alter sind,
so ist das Erlangen eines anderen Leibes.
Die Weisen werden dadurch nicht verwirrt.>>
Bhagavadgietaa 2, 13
<<So wie ein Mensch zerschlissene Kleider ablegt
und andere neue Kleider anlegt,
so wirft der Bewohner des Leibes
zerschlissene Kleider ab und tritt in neue Körper ein.>>
Bhagavad-gietaa 2, 22
Ein ganz neuer Horizont, das Wissen von der Wiederverkörperung, öffnet sich hier. Ein Gemeinplatz der abendländischen Weltanschauung, daß der Mensch nur einmal lebt, wird erschüttert. Aber diese Erweiterung des Panoramas ist keineswegs die letzte Wahrheit. Die großen Fragen um Recht und Unrecht, Schuld und Sühne werden im Hinduismus nicht mit Hilfe der Vorstellung von wiederholtem Erdleben gelöst.
Der Reinkarnationsgedanke erweitert nur die Bühne in Raum und Zeit. Durch ihn wird zwar die Vorstellung von Lebewesen auf weit entfernten Ste ........
Die Vollversion des Werkes "Der Sinn des Lebens" kann erfragt werden bei Bhakti Yoga –Gesellschaften oder bei mir, Wolfram, per eMail: wolfram@vegan.de