Schilderung meiner Eindruecke von der TV-Life-Diskussion und -sendung über die Fragen:
- Dürfen wir Tiere essen, sind wir Tiermörder?
- Inwieweit ist es vertretbar, Schlächtereibetreibern, die Fenster einzuschlagen oder deren Autos anzuzünden?


Am Vortag war ich wieder mal beim Runden Tisch der "Vegetarischen Alternative" anwesend und erfuhr dabei auch von der Moeglichkeit der Teilnahme an der og. talk-Runde und traf dann die anderen Vegetarier puenktlich beim Studio II am Fusse des Fernsehturms.
Zur TV-Sendung 20 - 22 Uhr kamen spaeter die Hauptredner, eine Tierschutzaktivistin, eine Veganerin (die beide an Tierschutzaktionen maßgeblich beteiligt gewesen waren), ein Vegetarier, der Direktor des Tierheims Berlin-Lankwitz, ein fuehrender Unternehmer der Schlaechterinnung, einer seiner Leitungsmitglieder und ein Professor der Lebensmittelforschung, die jeweils am Pro- oder am Kontratisch Platz nahmen, nachdem der Moderator zur Kamera die einleitenden Worte gesprochen hatte. Als Background-Publikum saßen wir, d.h. ca 7 Freunde und Mitglieder der Berliner Vegetarischen Alternative und einige Vertreter der Fleischerinnung in etwa gleicher Anzahl.
Es war bei allem zu spüren, daß die Schlaechterseite immer wieder sehr unsachliche und haltlose Behauptungen aufstellte und durchaus die übliche durch Geschaeftsinteresse bedingte Befangenheit erkennen ließ. Zum Beispiel wurde beharrlich an der Vitamin-B12-Story festgehalten, die ja nun wirklich schon laengst 'nen langen Bart hat. Aber selbst aus der Ecke der Fleischergesellen kamen mehrmals recht kluge Fragen zur Ethik der Schlaechterei. Und der Moderator warf ab und zu beruehmte Zitate ethischer renomierter Vegetarier ins Gespraech, wie von Paul McCartney, Heinrich Zille, Albert von Einstein, u.a. Aus der veg. Zuschauerecke kamen anfangs manche Buhrufe und im Verlaufe der Sendung Vorwuerfe der Schizophrenie, weil der Fleischermeister sich wiederholt selbst wiedersprach und schließlich wohl angesichts der erdrueckenden und schwer zu widerlegenden Argumente der Vegetarier auch etwas in die Enge gedrueckt fuehlte und sich wenigstens gegen die Massentierhaltung und Tierquaelerei bei Ferntransporten u.a. aussprach. In der Mitte der Sendung kam es infolge der kontroversen Meinungen zu leidenschaftlichen Wortgefechten von beiden Seiten, wobei sich die auf der sicheren Seite stehenden Vegetarier doch eher ruhiger und gefasster verhielten, dennoch konnte das Gebot, einander bitte ausreden zu lassen, oft nicht mehr gehalten werden.
Zum Schluss der immer wieder durch Werbespots unterbrochenen talk-Runde resumierte der Moderator dass, aus dem talk resultierend, bei den Vegetariern eine weitaus genauere und vertiefte Kenntnis und Konsequenz der Ernaehrung zu verzeichnen sei. Doch dass sich alle Anwesenden wenigstens darueber einig seien, dass zerstoererische Gewalttaten gegen Schlachtbetriebe, wie juengst passiert, keine geeignete Loesung des Problems seien, und sie sich trotz allem Verstaendnis der Beweggruende der Attentaeter davon distanzieren, sondern dass es eher Sinn "mache", bei gegenseitiger Toleranz eben doch den Konsum von Schlachtprodukten und -nebenprodukten zu reduzieren und zur Bewusstseinsbildung weiter darueber das Gespraech zu suchen.


mit freundlichem Gruß von WolfR@M