Eine Superknolle, die es in sich hat: Topinambur
Abschrift aus der Zeitschrift ´Der Rabe Ralf´ Dez 02, S.7
Autor: Rudolf Behm
Die Topinambur, Helianthus tuberosus L., gelangte vor etwa 400 Jahren nach Europa. Seefahrer brachten sie aus Amerika nach Frankreich. Am Hof und in Fürstenhäusern war die Knolle als Delikatesse sehr geschätzt. Innerhalb von Jahrzehnten breitete sich Topinambur als Volksnahrungsmittel über weite Teile Europas aus. Ihr Name soll sich vom Indianerstamm der Tupinambas ableiten. Bezeichungen wie Erdbirne, Jerusalemartischocke, Zuckerkartoffel u.a. sind regional gebräuchlich. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde dann die Topinambur von der Kartoffel rasch verdrängt. Heute ist Topinambur hierzulande vielen unbekannt, andere weisen sie als Viehfutter aus. In unserem Eberswalder Mulchgarten bauen wir mehrere Sorten an und Sorten, welche hier nicht zum Blühen kommen, darunter frühe Sorten mit reichem gelben Blütenflor und späte Sorten. Letztere werden über drei Meter hoch und liefern eine enorme Blatt- und Stengelmasse, die sich als hervorragendes Mulchmaterial bewährt hat.
Seit einiger Zeit erlebt Topinambur eine regelrechte Renaissance. Das ist auf wertvolle Knolleninhaltsstoffe zurückzuführen, denen gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen werden. An erster Stelle ist der hohe Gehalt an Inulin zu nennen. Inulin ist ein Reservekohlenhydrat, das sich aus Fruchtzucker-Bausteinen zusammensetzt. Fruchtzucker benötigt im Körperstoffwechsel kein Insulin aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Der Verzehr von inulinhaltigen Topinamburknollen führt deshalb bei Diabetikern nicht zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Das Inulin soll Magen- und Dünndarm unverändert passieren. Erst im Dickdarm erfolgen Umbauprozesse. Dabei kommt es zur vermehrten Bildung von Bifidusbakterien, welche die Darmflora und Verdauungsvorgänge positiv beeinflussen.Toxische Stoffe können teilweise gebunden und Krankheitserreger ausgeschwemmt werden. So wird auch der weit verbreiteten Verstopfung begegnet. An dieser Stelle ist jedoch auf folgende Besonderheit hinzuweisen. Wer noch niemals Topinambur verzehrt hat, sollte zunächst mit kleiner Dosis (20 bis 40 Gramm) beginnen, damit sich die Darmflora auf das Inulin einstellen kann. Bei empfindlichen Personen treten sonst mehr oder weniger starke Blähungen auf. Nach und nach wird die verzehrte Menge gesteigert, damit die positiven Wirkungen zur Geltung kommen. Als Ballaststoff und Appetitzügler fördert Topinambur die schlanke Linie, ohne daß Nebenwirkungen auftreten.
Weitere Inhaltsstoffe wie Betain und Cholin können das Immunsystem stärken. Von den Mineralstoffen ist der hohe Kaliumgehalt beachtenswert.
Zur Verwendung der Topinamburknollen als delikates Gemüse gibt es zahlreiche interessante Varianten. Insbesondere Rohkostsalate mit Topinambur erfreuen sich unter Kennern großer Beliebtheit. Da die Knollen selber wenig Eigengeschmack besitzen, sollte man die verschiedenen Kräuter und Gewürze oder andere Gemüsearten beimischen. Weitere Zubereitungsformen sind z.B.: Als Auflauf, Gemüsepfanne, Gratin, Cremesuppe, Puffer.
Topinamburknollen haben eine sehr dünne Schale. Sie schrumpfen rasch und lassen sich nur kurze Zeit lagern. Das Schälen erübrigt sich meist. Abbürsten kurz vor Gebrauch genügt. Eine weitere Besonderheit zeichnet sie vor anderen Gemüsearten aus. Die Knollen sind frosthart und vertragen bis minus 30°C. In diesem Sinne durchaus eine Superknolle. Diese Eigenschaft kommt dem Gartenfreund zugute, kann er doch von November bis Anfang April in seinem Garten knackig frisches Knollengemüse ernten.
In der nächsten Ausgabe soll ein zweiter Beitrag über unsere Erfahrungen zum Anbau und zur Nutzung von Topinambur im Mulchgarten berichten.
Anmerkung der Rabe-Ralf-Redaktion: Ausführliche Informationen erschienen in den ´Edener Mitteilungen´, einer Zeitschrift der Gemeinnützigen Obstbau-Siedlung eG, Oranienburg-Eden Hefte Nr: 62+63
Zum Thema ´Mulch im Kleingarten´ erfahren interessierte
Leser mehr aus dem Buch "Mulch total - der Garten der Zukunft" von Kurt
Kretschmann und Rudolf Behm, 3.Auflage 2003, OLV-Verlag, Xanten